maintenance on historical aircraft

Verein

Fokker Team Vereinsgeschichte  

Auf Initiative des damaligen Swissair Piloten Richi Schilliger wurde der Fokker F VIIa aus den Anfängen der Passagierfliegerei zwischen April und Juli 1966 einer Grossüberholung unterzogen. Nachdem Captain Schilliger einige Flight Engineers für das Projekt begeistern konnte, wurden diese bald einmal durch berufserfahrene Mitarbeiter des technischen Betriebes der Swissair ergänzt bzw. ersetzt.
Aus dieser Arbeitsgruppe mit Arnold Schilling (genannt „Kolben-Noldi“, der spätere Chef Kurzstreckenflugzeugwartung TWK), Walter Zürcher, Emil Bosshard und Fredy Zweifel ist dann das „Fokker Team“ unter der Leitung von Richi Schilliger entstanden.
Die liebevoll restaurierte HB-LBO wurde am 1.7.1972 zur Eröffnung der Halle Luft- und Raumfahrt dem Verkehrshaus Luzern übergeben.
1977 war es wieder Richi Schlilliger, der in Kalifornien den letzten noch vorhandenen Lockheed Orion gefunden und die Idee hatte, ihn in die Schweiz zu bringen. Der damalige Verkehrshaus-Direktor Dr.h.c. Alfred Waldis (verstorben am 10.07.2013) erwarb den in Einzelteilen vorhandenen „Orion-Haufen“ für Sfr. 120‘000, und nach der Ueberführung in die Schweiz übernahm das Fokker Team die Restaurierung. Während 9700 Arbeits-stunden entstand ein einmalig schönes Flugzeug, welches zwar aus eigener Kraft rollen konnte, aber leider nicht mehr fliegen durfte. Der „Rote Hund“ ist seit dem 10.8.1978 im VHSL ausgestellt.
Zum Jubiläum 50 Jahre Swissair (1981) sollte deren Flugzeug Nr.1 aus dem Jahre 1931 wieder an die Fluggesellschaft übergeben werden. Richi Schilliger fand den Comte AC-4 1979 in Bamberg – immer noch in flugtüchtigem Zustand, und der Fluglehrer Walter Nussbaumer hat die damalige D-ELIS noch im gleichen Jahr nach Kloten überflogen. Capt. Schilliger konnte den Direktionspräsidenten Armin Baltensweiler überzeugen, den Kauf und die Restaurierung durch die Swissair finanzieren zu lassen.
Nach 15‘000 Arbeitsstunden konnte der fast neuwertige AC-4 HB-IKO zum Jubiläum im März 1981 übergeben werden. Die Tätigkeit des Fokker Teams während den letzten 30 Jahren konzentrierte sich auf den Unterhalt der beiden Flugzeuge DC-3 und Coronado CV990 im Verkehrshaus Luzern, wozu etwa 5000 Frondienststunden aufgewendet wurden. Die Swissair bezahlte sehr grosszügig den technischen Leiter und auch sehr viel Material, Facharbeiterstunden, sowie eine kleine Entschädigung für die freiwilligen Leistungen des Fokker Teams. Unterhalt und Betrieb des Comte AC-4 in Kloten oblagen fast ausschliesslich dem Fokker Team.
Beim Zusammenbruch der Swissair wäre die kleine Entschädigung für die Teammitglieder wieder fällig gewesen, war dann aber leider “vom Winde verweht”…. Und trotzdem haben sie weitergearbeitet – ohne Zusage einer Entschädigung, jetzt aber selbständig unter eigener Leitung. Die Spesen der im VHSL arbeitenden Fokker Teammitglieder werden seither vom Verkehrshaus übernommen.
Der gute alte „Swissair-Spirit“ lebt im Fokker Team weiter; auch in schlechten Zeiten.
Der Verein zählt jetzt etwa 80 Mitglieder, fast alles pensionierte “Swissairler”. Davon sind etwa 35 Aktive, welche die heutigen und zukünftigen Aufgaben der früheren Generation übernommen haben und weiterführen. Die AC-4 HB-IKO kam aus der Swissair-Konkursmasse in den Besitz von SRTechnics und wurde im Herbst 2009 dem Verkehrshaus Luzern geschenkt. Die feierliche Uebergabe des flugfähigen Oldtimers fand im Juni 2010 statt.
Capt Richi Schilliger war der Gründer und Teamleader (Vereinspräsident) bis Februar 2003. Sein Nachfolger und heutiger Vereinspräsident ist der pensionierte Swissair-Vizedirektor Paul Truniger .
Aktivitäten 2004 – 2013
Das Fokker Team war während den letzten Jahren nicht immer ausgelastet; es wurden daher auch zusätzliche Aufträge angenommen: Eine DC-3 der Classic Air (HB-ISC) wurde abgelaugt, poliert und an die JU-AIR abgeliefert. Nach zwei Jahren wurde das Flugzeug an Mathys Aviation verkauft und sein Standort wurde St.Stephan. Für den äusseren Glanz ist weiterhin das Fokker Team verantwortlich. Ein privater Besitzer schenkte dem Verkehrshaus eine AS-202 Bravo, Pilatus AG einen P-2 und einen P-3. Diese Flugzeuge wurden vom Fokker Team zerlegt und ins VHSL-Lager nach Rain LU gebracht. Je ein DH-100 Vampire in Samedan und Dübendorf wurden ebenfalls zerlegt und für Ausstellungen oder Museen präpariert. Während den Luftfahrttagen 2011 wurden der AC-4 und der P-3 zusammengesetzt und den begeisterten Verkehrshausbesuchern in flugfähigem Zustand mit laufenden Motoren präsentiert (siehe Bildergalerie). 2011 erteilte das Air Force Center in Dübendorf dem Fokker Team den Auftrag, einen F-5 Tiger der Flugwaffe so zu präparieren, dass er als neuer Gate Guard vor dem Museum aufgestellt werden konnte. Zuvor musste der bisherige Torwächter, ein DH-100 Vampire (J-1126), vom Sockel gehoben und zerlegt werden. Unter grosser Mithilfe einer Spezialistengruppe aus Meiringen wurde der Tiger J-3013 vorbereitet und leuchtet seit dem 11.04.2012 vom Sockel beim Museumseingang. Ebenfalls in Dübendorf hat das Fokker Team drei Flugzeuge (P-3, B737 und Mirage IIIDS) zu Simulatoren umgebaut und dabei alle mechanischen Arbeiten ausgeführt. Hauptaufgabe des Vereins bleibt aber weiterhin die fachmännische Pflege der Flugzeuge Coronado und DC-3 in der Arena des Verkehrshauses in Luzern. Die Vereinsaktivitäten werden seit 2013 in unserer Homepage publiziert.
H.Saladin, August 2013

Fokker, Swissair und das Fokker Team  

Der Zusammenschluss der beiden Gesellschaften „Ad Astra Aero“ und Balair in Jahre 1931 war gleichzeitig das Gründungsjahr der Swissair deren damalige Flotte eindeutig „Fokkerlastig“ war, bestand sie doch aus einer Fokker F VIIa – (der heutigen HB-LBO), acht Fokker F VIIb 3m, der einzigen Comte AC 4, zwei Dornier Merkur (von Ad Astra) und einer Messerschmitt M 18-D.Die Zwanziger und Dreissiger Jahre waren für die Fokker Werke sehr erfolgreich obwohl die damalige Swissair sich bereits als Pionierin schnellen Fluggeräts hervortat als sie 1932 die beiden Lockheed Orion Flugzeuge kaufte deren Reisegeschwindigkeit damals alle anderen Konkurrenten in den Schatten stellte.
1935 stiessen dann die ersten fünf komfortablen, unverwüstlichen Ganzmetallflieger DC-2 zur Flotte, und bereits ab 1937 das vergrösserte Modell, die legendäre DC-3. Fokker hatte zu jener Zeit als noch keine Langstrecken Ablieferungsflüge von Santa Monica durchgeführt werden konnten einen Lizenzvertrag mit Douglas Aircraft vereinbart und die in Kisten verpackten Douglas Flieger gelangten nach Holland auf einer langen Seereise bis Cherbourg oder Rotterdam und in deren Werk zur Endmontage. Bis zum Beginn der zweiten Weltkrieges waren das einige Hundert und bei allen diesen Flugzeigen prangte am Rumpf unterhalb der Cockpitfenster das bekannte Fokker Logo. In der Nachkriegszeit wurden von vielen Fluggesellschaften zivilisierte, ehemalige Militärflugzeuge eingesetzt, zum einen weil diese relativ billig zu kaufen waren und später entschied man sich bei Swissair weitere Douglas Flugzeuge zu beschaffen bis hin zur MD-11.
Fokker hatte nach dem Krieg zuerst einmal wieder die Produktionsstätten hochfahren müssen und ab 1955 flog ein recht erfolgreicher zweimotoriger Turboprop Airliner; die F-27, welche als DC-3 Ersatz gedacht war – aber diese nie ganz aus dem Markt verdrängen konnte. Schliesslich ab 1967 gelangte die F-28 Fellowship auf den Markt, bis dann um 1986 eine Neuauflage der F-28-100 bzw Fokker-100.
Interessanterweise hatte sich Swissair hier als Erstbesteller zu diesem kostengünstigen Projekt entschieden, dessen Triebwerke zwar erheblich leiser, die Avionicssysteme moderner und die Strukturteile leicht und bewährt waren, was nicht zuletzt auch einen sehr günstigen Brennstoffverbrauch zur Folge hatte. Allerdings bedachte man nicht, dass für den Unterhalt, bzw. die Wartung, eine komplett neue Serie von Werkzeugen, Ersatzteilen etc. beschafft werde musste und auch die Fachausbildung der Piloten,Techniker und Mechaniker Mehrkosten verursachte.
Somit wurde die Flotte der acht F-100 bereits nach acht Jahren wieder verkauft und durch die zukunftsträchtigere Airbus Familie abgelöst.
In dieser Zeit um 1985 erfolgte auch die Gründung des Fokker Teams als Verein und non Profit – Organisation. Das Team hat die Höhen und vor allem die Tiefen der einstigen Swissair relativ unbeschadet überlebt und wir alle erfreuen uns der musealen Vorzeigestücke.
Ruedi Weidmann / Aug 2013